Du brauchst nur die Vorlage? Direkt zur Vorlage
Die gute Nachricht vorweg: Du musst kein Werbetexter sein und keine Agentur beauftragen, um eine Stellenanzeige zu schreiben, die funktioniert. Du musst nur aufhören, die Anzeige aus deiner Sicht zu schreiben – und anfangen, sie aus Sicht des Menschen zu schreiben, der sich bewerben soll. Klingt banal, macht aber fast niemand. Genau das ist deine Chance.
Diese Anleitung ist Teil des Themas Personalarbeit ohne Personalabteilung – der Baustein Finden. Und weil ich seit Jahren mit Feedback arbeite, weiß ich eins ziemlich sicher: Ehrlichkeit schlägt Floskeln. Immer.
Eine Stellenanzeige schreiben: warum die meisten scheitern
Öffne zehn Stellenanzeigen kleiner Betriebe, und du liest zehnmal fast dasselbe: „Wir sind ein junges, dynamisches Team", „abwechslungsreiche Tätigkeit", „leistungsgerechte Bezahlung". Das sind keine Aussagen, das sind Platzhalter. Sie sagen dem Bewerber nichts – und vor allem sagen sie nicht, warum er sich ausgerechnet bei dir melden soll und nicht beim Betrieb zwei Straßen weiter.
Der Kernfehler ist fast immer derselbe: Die Anzeige ist ein Arbeitgeber-Ego-Text. Sie beschreibt, was du dir vom idealen Kandidaten wünschst – lange Anforderungslisten, „Sie sollten mitbringen…" – und vergisst, dass sich ein Mensch am anderen Ende zuerst eine einzige Frage stellt: Was habe ich davon, hier zu arbeiten?
Bewerber lesen Anzeigen anders, als du sie schreibst. Sie überfliegen. Sie suchen in Sekunden nach drei Dingen: Passt der Job zu dem, was ich kann? Klingt der Betrieb, als würde ich mich dort wohlfühlen? Und: Weiß ich, was ich verdiene und wie ich mich melde? Findet ihr Auge diese Antworten nicht schnell, klicken sie weiter. Nicht, weil dein Betrieb schlecht ist – sondern weil deine Anzeige es ihnen zu schwer macht.
Die ausfüllbare Vorlage zum Kopieren
Kopiere die folgende Vorlage und ersetze die Platzhalter in den eckigen Klammern durch deine Angaben. Halte dich an die Reihenfolge – sie folgt genau den sechs Bausteinen weiter unten.
Titel
[Berufsbezeichnung] (m/w/d) in [Ort] – [ein starkes Detail, z. B. 4-Tage-Woche, unbefristet, top Bezahlung]
Einstieg
Du bist [Berufsbezeichnung] und suchst einen Betrieb, in dem [das, was deiner Zielgruppe wichtig ist – z. B. dein Können zählt und nicht die Stechuhr]? Dann lies weiter. Wir sind [kurze, ehrliche Beschreibung deines Betriebs in einem Satz] in [Ort] und suchen [warum jetzt – z. B. weil wir wachsen / weil ein Kollege in Rente geht].
Das erwartet dich (Aufgaben)
- [konkrete Aufgabe 1]
- [konkrete Aufgabe 2]
- [konkrete Aufgabe 3]
- [konkrete Aufgabe 4 – auch das Unbequeme ehrlich nennen]
Das solltest du mitbringen (Anforderungen)
- Muss: [das eine, worauf es wirklich ankommt]
- Muss: [das zweite Muss, z. B. Führerschein, abgeschlossene Ausbildung]
- Wäre schön: [Nice-to-have, klar als optional markiert]
Das bieten wir dir
- Verdienst: [konkrete Angabe oder Spanne – z. B. ab X Euro, je nach Erfahrung]
- Arbeitszeit: [ehrlich – z. B. Mo–Fr, keine Wochenenden]
- Das Besondere bei uns: [dein echter Vorteil als kleiner Betrieb – z. B. familiäres Team, kurze Wege, Chef packt mit an]
- [weiterer konkreter Vorteil – z. B. Firmenwagen, Weiterbildung, feste Aufstiegschance]
So bewirbst du dich
Ruf einfach [Name] unter [Telefonnummer] an – ein Anruf reicht für den Anfang, den Rest klären wir persönlich. Oder schreib kurz an [E-Mail]. Wir melden uns innerhalb von [Zeitraum, z. B. 2 Tagen] bei dir.
Die sechs Bausteine einer guten Anzeige
Die Vorlage darüber folgt diesen sechs Bausteinen. Eine Anzeige, die Bewerbungen bringt, hat immer dieselbe Struktur. Nicht, weil das eine Formel ist, sondern weil sie in genau der Reihenfolge antwortet, in der der Bewerber Fragen stellt.
1. Der Titel: konkret statt kreativ
Der Jobtitel ist das Wichtigste, denn danach wird gesucht. Schreibe, wonach Menschen tatsächlich suchen: Elektriker (m/w/d), nicht „Energie-Held gesucht". Ergänze wenn möglich Ort und ein starkes Detail: „Elektriker (m/w/d) in Musterstadt – 4-Tage-Woche möglich". Konkret gewinnt gegen kreativ.
2. Der Einstieg: die erste Frage des Bewerbers beantworten
Die ersten zwei, drei Sätze entscheiden, ob weitergelesen wird. Verschwende sie nicht mit deiner Firmengeschichte seit 1987. Sprich den Bewerber direkt an und sag, warum diese Stelle interessant ist – für ihn.
3. Die Aufgaben: konkret und ehrlich
Keine Wunschliste, sondern der echte Alltag. Was macht die Person an einem normalen Dienstag? Drei bis sechs konkrete Punkte reichen. Ehrlich heißt auch: Wenn es Schichten, Wochenenddienste oder körperlich harte Arbeit gibt, schreib es hin. Die Leute merken es sowieso – nur eben erst in der Probezeit, und dann kündigen sie.
4. Die Anforderungen: ehrlich priorisieren
Trenne Muss von Wäre schön. Eine Liste mit zwölf Anforderungen schreckt gute Leute ab, weil sich niemand zu 100 Prozent wiederfindet. Nenne die zwei, drei Dinge, die wirklich zählen – und lass den Rest weg oder markiere ihn klar als optional.
5. Was DU bietest: das eigentliche Verkaufsargument
Das ist der Teil, den fast alle zu kurz halten – und der am meisten entscheidet. Kein Floskel-Bingo („flache Hierarchien"), sondern Konkretes: Wie viel verdient man ungefähr? Wie sind die Arbeitszeiten wirklich? Was ist das Besondere daran, in deinem Betrieb zu arbeiten – die kurzen Wege, der Chef, der selbst mit anpackt, das Team, das seit Jahren zusammenhält? Gerade als kleiner Betrieb hast du hier echte Vorteile gegenüber dem Konzern. Nutze sie.
6. Der Bewerbungsweg: so einfach wie möglich
Mach es dem Bewerber leicht. Ein Name, eine direkte Nummer oder Mailadresse, die Aussage „ein Anruf reicht, den Lebenslauf können wir später klären". Jede Hürde – Anschreiben, Online-Formular mit 20 Feldern, Zeugnisse ab 2009 – kostet dich Bewerbungen.
Tipp: Lies deine fertige Anzeige einmal so, als wärst du der Bewerber – nicht der Chef. Frag dich bei jedem Satz: Interessiert mich das? Oder ist das nur da, weil man das eben so schreibt? Alles, was nur wegen Gewohnheit drinsteht, kannst du streichen.
Vorher/Nachher: eine Formulierung im Vergleich
Wie viel Unterschied ein einziger Satz macht, siehst du hier:
- Vorher: „Wir bieten eine leistungsgerechte Vergütung und ein angenehmes Betriebsklima." – Sagt nichts. Kann jeder behaupten.
- Nachher: „Du verdienst ab 3.200 Euro im Monat, hast eine feste 4-Tage-Woche und einen Chef, der selbst noch auf der Baustelle steht und weiß, wovon er redet." – Konkret, ehrlich, unterscheidbar.
Der zweite Satz ist nicht schöner geschrieben. Er ist nur ehrlicher und konkreter. Genau das liest ein Bewerber – und genau darauf meldet er sich.
Zwei fertige Beispielanzeigen: Handwerk und Büro
So sieht die Vorlage ausgefüllt aus. Beide Anzeigen folgen den sechs Bausteinen, alle Angaben sind erfunden, aber so konkret, wie deine eigenen sein sollten.
Beispielanzeige Handwerk: Elektroniker (m/w/d)
Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik (m/w/d) in Paderborn – 4-Tage-Woche, unbefristet
Du bist Elektroniker und willst auf Baustellen arbeiten, auf denen dein Können zählt und nicht die Stechuhr? Dann lies weiter. Wir sind ein Elektrobetrieb mit 14 Leuten in Paderborn und suchen Verstärkung, weil wir mehr Aufträge haben, als wir mit dem jetzigen Team schaffen.
Das erwartet dich:
- Installation und Inbetriebnahme in Wohnhäusern und kleinen Gewerbeobjekten
- Fehlersuche und Reparaturen bei Kunden, meist zu zweit im Bus
- Anschluss von Wallboxen und Photovoltaik-Anlagen
- Auch dabei: Stemmen und Kabelziehen im Altbau – das ist körperlich anstrengend
Das solltest du mitbringen:
- Muss: abgeschlossene Ausbildung als Elektroniker oder Elektriker
- Muss: Führerschein Klasse B
- Wäre schön: Erfahrung mit Photovoltaik – sonst lernst du sie bei uns
Das bieten wir dir:
- Verdienst: 3.300 bis 3.900 Euro brutto im Monat, je nach Erfahrung
- Arbeitszeit: Mo–Do von 7:00 bis 16:30 Uhr, freitags frei, keine Wochenenden
- Das Besondere bei uns: Der Chef packt selbst mit an, die Wege sind kurz
- Wir bezahlen Fortbildungen, zum Beispiel den Photovoltaik-Lehrgang
So bewirbst du dich: Ruf Jürgen Hartmann an unter 05251 555 0142 – ein Anruf reicht, den Rest klären wir bei einem Kaffee im Betrieb. Oder schreib kurz an bewerbung@hartmann-elektro.example. Wir melden uns innerhalb von 2 Tagen bei dir.
Beispielanzeige Büro: Auftragsabwicklung (m/w/d)
Sachbearbeiter Auftragsabwicklung (m/w/d) in Detmold – 30 Stunden, 2 Tage Homeoffice
Du magst es, wenn am Ende des Tages alles sauber abgeschlossen ist? Dann passt du zu uns. Wir sind ein Handwerksbetrieb mit 22 Mitarbeitenden in Detmold und suchen jemanden, der das Büro übernimmt, weil unsere bisherige Kollegin nach 15 Jahren in Rente geht.
Das erwartet dich:
- Angebote und Rechnungen schreiben und nachverfolgen
- Termine mit Kunden und Monteuren abstimmen
- Material bestellen und Lieferungen im Blick behalten
- Vorbereitung der Buchhaltung für unser Steuerbüro
- Ehrlich dazu: Montags früh ist am meisten los, dann klingelt das Telefon ständig
Das solltest du mitbringen:
- Muss: kaufmännische Ausbildung oder mehrere Jahre Büroerfahrung
- Muss: sicherer Umgang mit Word und Excel
- Wäre schön: Erfahrung mit Handwerkersoftware – die zeigen wir dir sonst
Das bieten wir dir:
- Verdienst: 2.600 bis 3.000 Euro brutto im Monat bei 30 Wochenstunden
- Arbeitszeit: Mo–Fr von 8:00 bis 14:00 Uhr, an zwei Tagen im Homeoffice
- Das Besondere bei uns: ein kleines Team, das sich kennt, und eine Chefin, die erreichbar ist
- Zwei Wochen Einarbeitung zusammen mit deiner Vorgängerin
So bewirbst du dich: Schreib Sabine Lange eine kurze Mail an bewerbung@lange-bau.example, ein paar Zeilen zu dir und dein Lebenslauf genügen. Du kannst auch unter 05231 555 0187 anrufen. Wir antworten dir innerhalb von 3 Tagen.
Vorlage als Dokument sichern
Trag dich ein und erhalte die Stellenanzeigen-Vorlage als ausfüllbares Dokument plus Tipps für mehr Bewerbungen per E-Mail.
Kein Spam. Abmeldung jederzeit möglich. Es gilt unsere Datenschutzerklärung.
Fehler, die dich Bewerbungen kosten
Selbst mit guter Vorlage gibt es ein paar Fallen, in die viele Betriebe tappen:
- Kein Gehalt nennen. Anzeigen mit Gehaltsangabe bekommen messbar mehr Bewerbungen. Wer nichts nennt, wirkt so, als hätte er etwas zu verbergen.
- Zu lange Anforderungslisten. Zwölf Muss-Kriterien schrecken genau die guten Leute ab, die sich selbst kritisch einschätzen.
- Der Betrieb steht im Mittelpunkt, nicht der Bewerber. Zähl mal, wie oft „wir" vorkommt und wie oft „du". Wenn „wir" gewinnt, schreib um.
Wenn du diese drei vermeidest und dich an die sechs Bausteine hältst, bist du schon besser als 90 Prozent der Anzeigen in deinem Umfeld. Und genau dabei – vom ersten Kontakt bis zur Einstellung – hilft dir das Modul „Bewerbungen bekommen" aus Finden & Binden, der digitalen Personalabteilung für Betriebe mit 10–50 Mitarbeitenden.
Häufige Fragen
Wie lang sollte eine Stellenanzeige sein?
So kurz wie möglich, so lang wie nötig. Meist reicht eine gut strukturierte Anzeige, die man in unter zwei Minuten überfliegen kann. Wichtiger als die Länge ist, dass die sechs Bausteine – Titel, Einstieg, Aufgaben, Anforderungen, was du bietest, Bewerbungsweg – klar erkennbar sind.
Muss ich das Gehalt in der Stellenanzeige angeben?
Pflicht ist es nicht, aber es lohnt sich fast immer. Anzeigen mit Gehaltsangabe oder zumindest einer Spanne bekommen mehr und passendere Bewerbungen. Gerade kleine Betriebe gewinnen damit Vertrauen, weil sie Transparenz zeigen, wo große Ketten oft mauern.
Wie hebe ich mich als kleiner Betrieb von großen Firmen ab?
Mit dem, was du hast und der Konzern nicht: kurze Wege, echte Nähe, ein Chef zum Anfassen, spürbare Wertschätzung. Schreib genau das konkret in die Anzeige, statt es hinter Floskeln zu verstecken. Mehr dazu findest du in unserem Ratgeber.